Was hat Rassenunterdrückung in den USA mit Lernen zu tun? Oder: Die Zukunft des Lernens…

great debaters5Ich komme für zwei Monate aus den USA zurück nach Deutschland…und der letzte Film, den wir hier in den USA gesehen haben, hat mich zum Nachdenken gebracht über eine etwas ungewöhnliche Frage -
„Was hat Rassenunterdrückung in den USA mit Lernen zu tun?“

Der Film heißt ” The Great Debaters” mit Denzel Washington (ich weiß gar nicht wie der Film auf deutsch heißt..)

Zuerst fand ich den Titel langweilig, aber dann hat mich die Handlung doch fasziniert. Die Geschichte handelt von vier schwarzen Studenten im Texas der 30er Jahre, die die Kunst des Argumentierens lernen und darin so gut werden, dass sie einen Wettbewerb nach dem anderen gewinnen.

Aber was mich wirklich berührt hat, war WORÜBER die 4 debattiert haben,
denn meist ging es um die Situation der Schwarzen in Amerika. Unterdrückung, getrennte Sitzplätze im Bus, Demütigung, Lynchmorde ohne erkennbaren Grund.

Sie mögen mich für naiv halten und es gibt genügend Beweise fürs Gegenteil: Aber ich glaube, dass die Menschheit, zumindest aus der Vogelperspektive, auf dem Weg in eine menschlichere Zukunft ist. Schwarze in den USA waren noch vor 200 Jahren Sklaven in Ketten, zu Beginn des letzten Jahrhunderts gab es die ersten schwarzen Universitäten, dann die Kämpfe um die Gleichberechtigung heute sagt niemand mehr Neger statt Schwarze (zumindest wenn er seine fünf Sinne beisammen hat).

Und ja, die Gleichberechtigung gibt’s vielerorts nach wie vor nur auf dem Papier (z.B. in Virginia wo wir wohnen) und es bleibt noch viel zu tun – aber sind wir nicht trotzdem weiter als vor 200 Jahren? Aus der Vogelperspektive gesehen, sind wir uns heute bewusster als jemals zuvor, dass jeder Mensch Grundrechte besitzt, das Recht sich selbst auszudrücken, die oder der zu werden, der wir wirklich sind, dass niemand gegen seinen Willen gezwungen werden darf, Dinge zu tun, die er nicht will.

Warum schauen wir unter diesem Blickwinkel nicht mal kurz auf das Thema Lernen – denn dort gibt es nämlich eine ähnliche Entwicklung. Wussten Sie was der tiefere Sinn und Zweck der Institution Schule war vor knapp 200 Jahren?

Kinder wurden gezwungen zu lernen was immer der Lehrer wichtig fand; vollkommen unabhängig von den eigenen Interessen. Stillsitzen, Klappe halten, zuhören und nur reden wenn gefragt. Wer nicht gehorchte, wurde geprügelt. Persönliche Neigungen, unterschiedliche Lerntypen, Themen die die Schüler begeisterten, spielten keinerlei Rolle. Das Ziel der Schule war nicht die Schüler in ihrer Entwicklung gemäß ihren Wünschen und Talenten zu fördern, sondern sie auf die Interessen der industriellen Revolution, der Gesellschaft, der Kirche und der Regierung vorzubereiten.

Heute, 150 Jahre später. Das Schulsystem hat immer noch viel von dem oben beschriebenen…körperliche Züchtigung ist weitgehend abgeschafft. Aber die Idee, dass jeder Mensch das Recht hat, sich den eigenen Talenten, Interessen und Neigungen entsprechend zu entwickeln ist immer noch nicht Alltagspraxis in der Schule.

Warum werden hier immer noch nicht die gleichen humanistischen Prinzipien angewendet, die sonst in der Gesellschaft als selbstverständlich gelten? Warum finden wir nicht heraus wie wir den natürlichen Wunsch zu lernen in jedem einzelnen Kind wecken und stimulieren können? Warum geben wir ihnen nicht die Möglichkeit Lernweg und Inhalt selbst zu bestimmen so wie es für sie am besten funktioniert? Warum unterdrücken wir nach wie vor die natürlichen, genialen Lernfähigkeiten indem wir sie zwingen, „falsch“ zu lernen und dazu noch Dinge, die sie nicht die Bohne interessieren?

Meiner Meinung nach gelten die gleichen Prinzipien, die ich oben in Sachen Gleichberechtigung in den USA beschrieben habe – das Recht sich so zu entwickeln und auszudrücken wie es der eigenen Natur entspricht – auch für unser Erziehungssystem.

Ich bin sicher, dass wir uns in einigen Jahrzehnten wundern wenn nicht schämen werden über die Art wie wir unterrichten und lehren. Wie wenig Rücksicht wir auf die Gefühle und Funktionsweise des Gehirns genommen haben. Also – warum fangen wir nicht schon heute mit der Zukunft an? Die Tools stehen alle zur Verfügung.

Und ich weiß aus der Erfahrung mit fast 1000 Seminarteilnehmern, dass das möglich ist. Es gibt die Methoden, Strategien und Techniken, um so zu lernen wie es dem eigenen Lerntyp und Interessen entspricht.

Und wissen Sie was – nicht nur macht das sehr viel mehr Spaß und geht schneller – die Resultate werden besser und unsere Gesellschaft wird ein Stück menschlicher!

Lassen Sie mich wissen, was Sie dazu meinen…


5 Beiträge zum Artikel “Was hat Rassenunterdrückung in den USA mit Lernen zu tun? Oder: Die Zukunft des Lernens…”

  1. Shaghayegh  on März 12th, 2010

    Danke Tom für deinen Rat.

    Lieben Gruß
    Shaghayegh

  2. Tom  on März 12th, 2010

    Oh Gott Shaghayegh,

    am besten hältst du dich so fern wie möglich von deinen prügelnden Lehrern die dich nicht sprechen lassen. Das ist ja gruselig. Wenn’s um Sprachenlernen geht, schau dir doch mal die Vera F.Birkenbihl an – wenn man sich da reinfindet, dann geht das schnell und macht Spaß. Traditioneller Sprachunterricht ist nervig, ineffektiv und meist tödlich langweilig.

    Lieben Gruß!
    Tom

  3. Shaghayegh  on März 12th, 2010

    Hallo Tom,

    Ich bin mit dieser Text einverstanden, wobei es
    teils davon abhängt, wieviel die Menschen auszunützen sind. Ich habe neulich etwas erlebt. Ich besuche seit 3.5 Monaten Englischkurse. Innerhalb 3 Manotan besuchte ich 5 Levels, 4 davon durch eines Superintensivkurses und das fünfte Level durch einen Intensivkurs, weil der Superintensivkurs weit entfernt von unserer Wohnung war, vielleicht 5-6 Kilometer entfernt, und ich musste um 8 Uhr Morgens da sein, was teilweise meine Aufnahmeschnelligkeit beschädigte. Die 2 ersten Levels brauchte ich nicht zu besuchen, weil ich mit meinem englischen E-mail gearbeitet hatte und 3 Amerikanische Filme mit persischen Untertiteln und umgekehrt gesehen hatte. Vor 2 Jahren dachte ich, dass ich kein Wort englisch mehr verstehe.

    In diesen Kursen hatten wir jede Menge Speaking,
    Writing usw. Ich war da eine der besten und unsere
    Lehrerinnen sagten jede Menge Extrawörter außerhalb unseren Lernmaterialien. Ich hatte zu Hause keine Zeit mehr, außer unseren Materialien extra Englisch zu lernen.

    Dann ging ich zum IELTS-Zentrum unseres Kurses, um
    schneller die IELTSprüfung machen zu können und bezahlte dort 2 Mal soviel als einen normalen Kurs. Da hatten wir einen Mann als Lehrer, der Doktortitel hatte. Er sprach Englisch zu langsam; er sagte uns keine Extrawörter, wir hatten nur einmal Writing und wir sprachen in der Klasse nicht.!!!!!!!!!! Wie gesagt, ich hatte zu Hause
    keine Gelegenheit, extramaterialien zu lernen und
    eigentlich brauche ich nicht für Englisch einen Kurs zu besuchen, weil ich es selber lernen kann; nur wollte ich außerhalb der Wohnung in einem Klassenzimmer sein.

    Aber als meine Midtermnote schlecht wurde, verhielt sich der Lehrer mit mir bösartig, sodass ich dachte, dass er mich prügeln würde, wenn ich etwas sage. Darauffolgend fühlte ich mich als dumm und am Rande der Gesellschaft.

    Viele Grüße
    Shaghayegh

  4. Tom  on März 5th, 2010

    Hallo Yuliya,

    ja Sie haben völlig Recht – darum engagier ich mich ja in diesem Bereich ;-)
    Viele Grüße!
    Tom

  5. Yuliya  on März 3rd, 2010

    Danke für diesen Artikel. Ich fragen mich sehr oft, warum man Kindern in der Schule nicht schnelles lesen und Mnemothehnik beibringt.
    Meine Schule war ein Alptraum und ich habe mit der Mnemothehnik angefangen, um meinem Sohn dies zu sparren.
    Ich kenne eine Familie, deren kleine Tochte (1.Klasse) nachts schlecht schläft, weil sie Probleme mit der Lehrerin hat. Ist das nicht traurig, dass dieses System den Kindern bereits in der ersten Klasse so gewaltige Probleme bereitet?


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