Dies ist deine Welt. Form sie, sonst tut es jemand anders.

woman in libraryIch versuche gerade so etwas wie Ferien zu machen hier in Florida bei meinen Schwiegereltern und vergangenen Sonntag hat das sogar ganz gut geklappt… Nach einem Kinofilm mitten am Tag sind wir rübergefahren zu Barnes and Nobles (eine große Buchhandelskette hier in den USA). Die haben meist einen Starbucks-Coffeeshop mittendrin und dort habe ich eine Kaffetasse gefunden, auf der folgendes stand: Dies ist deine Welt. Form sie, sonst tut’s jemand anders. Interessant, habe ich gedacht, das stimmt nicht nur für’s Leben allgemein, sondern ganz besonders auch fürs Lesen. Wussten Sie das?


Der Unterschied zwischen einem passiven und einem aktiven Leser.

Lassen Sie mich zuerst kurz erklären, warum das für Sie so eine wichtige Unterscheidung ist. Eigentlich ist es ganz einfach – passive Leser verschwenden enorm viel Zeit und wenn es Ihnen gelingt ein aktiver Leser zu werden, dann können Sie die gelesenen Inhalte besser anwenden, bekommen Ihre Projekte schneller umgesetzt und das Lesen macht mehr Spaß als jetzt.

Also – was ist ein passiver Leser?

Ein passiver Leser konsumiert Fachbücher, Artikel, Memos, Emails – also alle langen Texte – genau in der Struktur die vorgegeben ist. In anderen Worten – er liest den Inhalt in genau der Reihenfolge in der der Autor ihn geschrieben hat. Un das heißt von Anfang bis zum Ende.
Die Struktur in der der Autor den Text geschrieben hat, macht natürlich 100% Sinn für den Urheber des Textes, aber nicht unbedingt für Sie.

Sie sind möglicherweise gelangweilt vom Anfang, weil Ihnen der Inhalt schon bekannt ist oder Sie merken, dass er sie nicht interessiert. Also zwingen Sie sich weiterzulesen, immer in der Hoffnung doch noch irgendetwas Wichtiges oder Interessantes zu finden. Leider ist diese Art von Selbstdisziplin nicht unerschöpflich und irgendwann legen Sie das Buch beiseite (dabei fühlen Sie sich ein klein wenig schuldig), und nehmen sich vor, morgen weiterzulesen. Dummerweise sind Sie morgen ziemlich beschäftigt und darum kommen Sie irgendwie nicht dazu, weiterzulesen.

Oder – Sie haben das Buch wieder in die Hand genommen, aber immer noch nichts gefunden was wirklich nützlich ist und jetzt fangen Sie langsam an, sich unwohl und genervt und ungeduldig zu fühlen. In jedem Fall macht das Ganze überhaupt keinen Spaß und Sie haben das Gefühl Ihre knappe Zeit zu verschwenden.

Was ist das Ende vom Lied? Das Buch landet auf dem Stapel der anderen Bücher die Sie immer noch lesen wollten und die Ihnen immer mal wieder ein schlechtes Gewisssen bescheren.

Ist Ihnen das jemals so gegangen? Klingt das bekannt? Dieses Vorgehen ist eine Verschwendung von Zeit, Geld und Energie. Und die Hauptursache dafür ist, dass Sie ein passiver Leser und kein aktiver Leser sind.

Jetzt lassen Sie mich erklären, wie Sie vorgehen würden, wären Sie ein aktiver Leser:
Als allererstes würden Sie sich fragen: Warum will ich diesen Text überhaupt lesen? Was habe ich davon? Was für Informationen will ich finden und wie will ich die dann nutzen und wofür genau?
Wenn wir im Lexikon nachschlagen, dann finden wir dieses Vorgehen ganz natürlich, aber wenn’s um Bücher geht, dann haben die meisten Menschen damit Schwierigkeiten.
Zu Beginn entdecken Sie also Ihre „zugrundeliegende Leseabsicht“.  Sobald Sie die haben, lesen Sie das Inhaltsverzeichnis und versuchen herauszufinden, welche Fakten Sie brauchen und wo die stehen. Die können durchaus am Anfang des Buches stehen, aber in den meisten Fällen ist das nicht so. Vielleicht entdecken Sie was Sie suchen in der Mitte oder am Ende des Buches.

In jedem Fall wissen Sie nun, dass Sie nicht das ganze Buch lesen müssen, weil Sie wissen was Sie wollen und jetzt geht es darum zu lokalisieren wo’s steht. Anstatt also der Struktur des Autors zu folgen (weil er ja ein Experte ist und so viel mehr über das Thema weiß als ich), übernehmen Sie Verantwortung und strukturieren Ihren Leseprozess so wie SIE ihn brauchen. Auf diese Weise sparen Sie enorm viel Zeit und finden was Sie brauchen schneller, Sie ersparen sich viel Langeweile und Sie sind VIEL motivierter beim Lesen.

Und es gibt noch einen coolen Nebeneffekt: Ihr Gehirn merkt sich Dinge besser auf diese Art. Also: Dies ist deine Welt. Form sie, sonst tut’s jemand anders.

Lassen Sie mich wissen was Sie davon halten – einfach einen Kommentar unter diesem Artikel in die Box schreiben, ok?

In diesem Sinne
Herzliche Grüße!
Ihr Tom Freudenthal


7 Beiträge zum Artikel “Dies ist deine Welt. Form sie, sonst tut es jemand anders.”

  1. Tom  on August 3rd, 2010

    Danke Henning,

    bin absolut einverstanden mit deinen Aussagen. Und ja, die Welt der Bücher ist nicht immer so einfach und übersichtlich für meinen Ansatz wie ich es gerne hätte ;-) Und manchmal lässt sich das nicht so ganz eins zu eins umsetzen und man muss flexibel bleiben.

    Aber meist reicht es schon, grundsätzlich die Bereitschaft zu entwickeln, dort ein- und auszusteigen, wo es sich für einen selbst richtig anfühlt zu lesen. Das ist der wichtigste Schritt.

    Eine Ergänzung noch – die Frage an das Buch VORM Lesen ist unabhängig davon was im Buch steht. Hier geht es um die eigene Motivation und die ist immer da bevor ich überhaupt anfange zu lesen. Sonst würde ich das Buch ja gar nicht in die Hand nehmen. Und da macht es Sinn, sich mehr Klarheit darüber zu verschaffen, was ich eigentlicih genau erreichen will mit dem Inhalt, den ich erwarte. Wenn ich das klar habe, dann habe ich auch ein Kriterium an dem ich entlang entscheiden kann, ob ich das Buch wieder weglege oder tiefer einsteige.

    Lass mich wissen ob du auf deine 365 Bücher im Jahr kommst ;-)

    Tom

  2. Henning  on August 1st, 2010

    Es geht nicht nur um Fakten wie bei einem Lexikon, aus denen ich die wichtigen auswähle. Sondern jeder Autor hat seinen Stil, seine Vorurteile, seine Steckenpferde und Ideologie. Es geht also auch darum, ob ich mit seinem Stil etwas anfangen kann, bzw. welche Aspekte und Themen für mich noch akzeptabel sind. Wenn ich passiv von vorne lese, bin ich evtl. zunehmend genervt und frustriert, aber behalte noch lange die Hoffnung, dass es sich bessert. Erst gegen Ende stelle ich fest, dass ich mir das Buch hätte sparen können, außer ggf. dem einen Kapitel, das mir weiterhalf. Viel effektiver ist es, wenn ich gleich mit diesem Kapitel anfange. Wenn das mäßig ist und die weiteren erst recht, lasse ich es dabei und habe doch das wichtigste aus dem Buch entnommen. Falls dieses Kapitel mich aber begeistert, kann ich immer noch von vorne lesen. Dann kann es immer noch sein, dass das restliche Buch nur diese Hauptthese wiederholt oder sonst bekannte Allgemeinplätze. Wenn ich beim wichtigsten Kapitel schon war, kann ich viel souveräner den Rest querlesen, als wenn ich immer noch auf den Durchbruch warte.
    Das Problem ist aber oft, diese lohnendste Stelle zu finden, weil es eben kein Lexikon ist. Oft ist das Inhaltsverzeichnis unübersichtlich und der Titel irreführend (Gerade bei Übersetzungen, was nicht für die Qualität mancher Verlage spricht). Dann kann ich noch keine sinnvolle Frage an das Buch stellen, sondern muss mir erst einen Eindruck verschaffen, z.B. mit der Einleitung. Das wertvollste an Büchern sind oft neue Perspektiven, die ich nicht erwartet hatte!
    Da der Inhalt in guten Büchern oft Kapitel für Kapitel aufeinander aufbaut, geht es mehr darum, rechtzeitig entscheiden zu können, ob ich diesen Weg mitgehen will oder aussteige. Wenn ich in späteren Kapiteln blättere und anlese, verstehe ich es u.U. noch nicht, aber bekomme einen Eindruck, ob ich da hin will oder ob es z.B. auf Meinungen hinausläuft, die ich grundsätzlich falsch finde. Dann mache ich mir Notizen, in denen ich das begründe und finde dieses Urteil meist bestätigt auch wenn ich Jahre später woanders wieder mit diesem Autor zu tun habe.

    Ein Thema, das mich noch umtreibt: nicht nur entscheiden, welche Kapitel, sondern welche Bücher ich zunächst lese. Abschreckendes Beispiel: Darwin hatte Mendels Buch gekauft, aber nie gelesen. Sein Irrtum, Entwicklung geschehe durch (Punkt-)mutationen statt Chromosomenverteilung, ist bis heute verbreitet! Hätte er doch nur das für ihn allerwichtigste Buch gelesen statt vielleicht Zeitungen oder theologische Streitschriften! Wie viele vergleichbare Bücher habe ich wohl im Regal?

  3. steve  on Juli 1st, 2010

    Hallo Tom,

    ich bin eigentlich auch ein passiver Leser (zumindest meistens), wenn man es so nennen möchte, da ich auch Bücher über das gleiche Thema lese. Es kommt nämlich immer mal wieder vor das in dem einen Buch etwas steht das im anderen nicht steht oder es einfach anders geschrieben ist, so dass ich es mir besser merken kann.
    Der Tipp sich vorher mit dem Inhaltsverzeichnis vertraut zu machen und nur die Kapitel zu lesen die interessieren ist super.
    Noch ein Tipp an alle: Sollte man sein Kapitel gefunden haben, kann man es vorher einmal sehr schnell mit den Augen überfliegen (so ca. 7 sec. pro Seite), dass regt das Gehirn nochmals zusätzlich an und beim richtigen lesen ist es dann ein bisschen so als hätte man es schon einmal gelesen.

    Ausprobieren lohnt sich :-)

    Grüße

  4. Tom  on Juni 30th, 2010

    Hallo Peter,

    Ich glaube, das muss parallel laufen. Die Herausforderung ist, sich nicht festzulesen in Bereichen, die einem gar nichts bringen. Aber so lange man selbstverantwortlich entscheidet was man weglässt, hat man schon viel gewonnen ;-)

    Besten Gruß!
    Tom

  5. Tom  on Juni 30th, 2010

    Freut mich, dein Feedback! Viel Erfolg weiterhin…
    Tom

  6. mike federhenn - fett  on Juni 30th, 2010

    hallo tom , genau das war mein Problem ich war ein passiv leser.Bis ich mich mit der speed reading cd beschäftigt habe. Nun kann ich sagen ,aktiv ist besser wie passiv für jeden der eine menge input zu bewältigen hat.Da mir auch die zeit im Nacken sitzt schaffe ich nun ein vielfaches mehr an Lesestoff !! Klasse, Super weiter so Tom.
    Freundlich grüsse Mike Federhenn – Fett

    Forme dir deine Welt,sonst tut es jemand anderes.

  7. Peter Kytzia  on Juni 30th, 2010

    Hallo Herr Freudenthal,

    das funktioniert dann, wenn die Schnelllesetechnik
    zur Praxis geworden ist, sonst hängt man möglicherweise zu oft im vokalisierenden Lesen fest.

    mfg

    Peter Kytzia


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