Wollen Sie lesen oder behalten?

Was fuehl ichDie meisten Leute denken, das man lernt, indem man liest und dann müsste das Gelesene eigentlich im Gedächtnis bleiben. Leider funktioniert das so nicht. Die meisten Menschen vergessen über 90% der gelesenen Informationen in spätestens zwei Tagen wieder.

Ausser sie haben sie verwendet oder etwas anderes damit gemacht…

Was?

Verrate ich Ihnen sofort icon wink

Die Idee dass man etwas lernen kann einfach nur dadurch, das man es liest, ist eigentlich ziemlich neu (zumindest wenn man die Geschichte der Menschheit bedenkt). Bis vor ein einigen Hundert Jahren war Lernen ein Prozess, der immer auf vielen Ebenen gleichzeitig ablief:

Zuschauen, Fühlen, Erleben, Machen, Verstehen warum und wofür.

Mit der Erfindung des Buchdrucks und mit steigendem Bildungsniveau der Bevölkerung wurde die Idee des Lernens immer weiter auf einen einzigen Kanal reduziert: das Lesen.

Leider macht Lesen auf das Gehirn meist keinen großen Eindruck – in anderen Worten – sehr selten wird das Gelesene Ihrem Gehirn so imponieren, das es sich entschließt, die Inhalte langfristig abzuspeichern. Das gilt selbst für Information, die Sie eigentlich interessant finden und ganz besonders für Inhalte, die Sie langweilen.

Ihr Gehirn wird sie wahrnehmen und dann ziemlich schnell wieder gehen lassen – ist Ihnen das schon mal aufgefallen?

Die Frage ist – wenn der “alte” Weg der natürliche ist, der für den das Gehirn eigentlich vorgesehen ist, wie können wir diese Erkenntnis dann für unsere heutige Alltagswirklichkeit nutzen? Natürlich will niemand wieder zurück in die Steinzeit und unsere moderne Zivilisation hat ja auch ein paar sehr nützliche Aspekte, die man wunderbar für beschleunigtes Lernen verwenden kann.

Also – werfen wir mal einen Blick auf diese Grafik. Untersuchungen mit Tausenden von Teilnehmern haben immer wieder gezeigt dass es im Prinzip nur vier Fragen gibt, an denen sich Menschen orientieren, wenn sie neues Wissen aufnehmen wollen.

Optimaler Lernprozess 2.6.2010

Die erste ist WARUM?

Warum ist das sinnvoll? Was habe ich davon? Die Suche nach Bedeutung scheint dem Menschen angeboren zu sein und es ist sehr schwer etwas zu lernen ohne zu verstehen warum dieses Wissen für das eigene Leben von Bedeutung sein könnte. (Damit meine ich übrigens nicht den alten Lehrerspruch – wenn du mal erwachsen bist, dann brauchst du das unbedingt, also setz dich hin und lern das jetzt icon wink

Die zweite Frage ist WAS?

Sie brauchen ein grundlegendes Verständnis worum es bei dem Thema überhaupt geht. Was ist die grundlegende Struktur dahinter, wie sieht das Ganze im Überblick aus, was sagen die Experten und so weiter und so fort.

Die dritte Frage ist WIE?

Manche Menschen sind nicht so wirklich heiss auf die ersten beiden Fragen und können es kaum erwarten, das Neue endlich auszuprobieren. Der Sinn erschließt sich für sie im Tun. Dies sind die mehr kinesthätisch orientierten “Lerntypen”, die Ihren Körper einsetzen müssen oder zumindest ihre Hände, um das Thema wirklich zu verstehen.

Ich erlebe das immer wieder in meinen Seminaren, wenn Teilnehmer unruhig mit den Füssen scharren während ich durch die ersten beiden Fragen gehe und dann erleichtert aufatmen, wenn sie endlich loslegen können icon wink

Die vierte Frage ist WAS WENN?

Wie kann ich dieses Wissen genau anwenden für meine Zwecke? Welchen Dreh gibt es, was muss ich verändern, damit ich es genau so nutzen kann wie ich es brauche? Kann ich das Ganze weiterentwickeln? Etwas noch Besseres daraus machen um meine Ziele schneller zu erreichen?

Die amerikanische Wissenschaftlerin Dr.Bernice McCarthy war intensiv an diesen Forschungen beteiligt und nachdem sich diese vier Lerntypen herauskristallisiert hatten, war die die erste Idee folgende:

Wir finden die wichtigste “Lernfrage” dieser Person heraus, und dann vermitteln wir das Wissen genau und nur auf diese Weise.
Interessanterweise brachte das aber nicht die besten Resultate, sondern Menschen lernen offenbar am schnellsten,

wenn Sie durch ALLE VIER FRAGEN GEFÜHRT WERDEN!

Das ist alles was Sie machen müssen. Stellen Sie sicher, dass Sie Antworten auf alle vier Fragen finden während Sie sich mit einem neuen Thema beschäftigen, und Sie müssen nie wieder irgendetwas auswendig lernen!

Dieser Weg stellt Bedeutung her, gibt Ihnen die Struktur die Sie brauchen, zeigt Ihnen pratkisch wie man das neue Wissen nutzen kann und verbindet das Ganze sehr eng mit Ihren eigenen Zielen.

Das Ganze ist ein bißchen komplizierter als hier dargestellt, aber im Prinzip geht’s genauso.

Für die konkrete Praxis haben wir ein Lernsystem entwickelt, das Centered Learning heißt und sich hervorragend für diesen Prozess einsetzen lässt. Aber wenn Sie nur diese vier Fragen im Hinterkopf behalten, wann immer Sie sich irgendwelche neuen Inhalte einprägen müssen, dann sind Sie den anderen schon ein Schritt voraus icon wink

Ich schlage vor, dass Sie diesen Weg gleich heute noch ausprobieren…lassen Sie mich  doch bitte wissen, ob’s funktioniert und wenn ja wie oder ob Sie eigene Erfahrungen damit haben oder noch irgendwelche Fragen, ok?

Einfach einen Kommentar unten in der Box hinterlassen…

Vielen Dank und herzliche Grüße!

Ihr Tom Freudenthal


6 Beiträge zum Artikel “Wollen Sie lesen oder behalten?”

  1. Tom  on Juni 30th, 2010

    Hey Shaghayegh,

    (vorab für alle, die sich über Ihr Deutsch wundern – Sie kommt aus dem Iran und dafür finde ich ist ihr Deutsch erstaunlich ;-)

    Dass dir bestimmte Infos nicht einfallen wollten während deines Vortrages kann mit Lampenfieber zusammenhängen. Tipp: Übe deinen Vortrag mal vorher vor Freunden oder Bekannten. Das hilft immer ;-)

    lg
    tom

  2. Shaghayegh  on Juni 15th, 2010

    Hallo Tom,

    Danke für deinen Artikel. Vor einer Woche hatte ich einen Vortrag in der Botschaft und ich lief folgende Phasen durch: Bei meinem Vortrag handelte es sich um die Weltliteratur und ich wusste, dass sie zur Weltversöhnung beiträgt. Ich wurde selber auch tätig und zeichnete Mindmapps, die sehr hilfreich waren. Ich wusste auch, dass es positiv auf mein Leben wirkt, in der Botschaft den Vortrag
    zu halten, aber war nicht viel motiviert. Trotzdem sollte ich meine MMs einige Male (Vielleicht 6-7 Male oder mehr) wiederholen. Meine MMs waren 12-13 Seiten und ich entwarf Powerpoints, die mir
    während meines Vortrags halfen. Ich sprach 55 Minuten und der Botschafter interessierte sich für meinen Vortrag, aber ich weiß nicht, ob es OK war. Teils zweifle ich, ob ich Gedächtnisproblem habe oder sowas.;-) Wie meinst du darüber?

    Herzliche Grüße
    Shaghayegh

  3. Tom  on Juni 9th, 2010

    Wunderbar Hermann, genauso geht’s ;-)

  4. Hermann Clasen  on Juni 9th, 2010

    Meine Frau und ich haben vor vier Wochen eine Pflanze gekauft und eingepflanzt.Natürlich den Namen vergessen.
    Nun wieder Blumen kaufen für den Kirchhof,sehen
    wir unsere gekaufte Pflanze wieder ,und den Namen.
    Zwergspindel.Gleich an Ihre Denkhilfe gedacht.
    Kleiner _Zwerg spinnt mit einer Spindel.Auf dem Heimweg meine Frau:nun weiß ich den Namen von der Pflanze nicht mehr.Da habe ich ihr erklärt warum ich ihn noch weiß.Vielen Dank dafür.Herzliche Grüße

    Hermann Clasen

  5. Tom  on Juni 8th, 2010

    Ok, hier gehen zwei Dinge etwas durcheinander ;-)

    Was ich in diesem Artikel beschrieben habe, ist der richtige Weg neue Fähigkeiten oder neues Wissen zu lernen. Vokabellernen ist ein winziger Spezialbereich, auf den man dieses System nicht immer anwenden kann.

    Aber versuchen wir’s mal. Nehmen wir an du willst das Wort bedroom für Schlafzimmer lernen.
    1. Überleg dir wozu du das Wort brauchst. In welchem Zusammenhang du es benutzen würdest – in welcher Gesprächssituation würdes du es einsetzen?
    2. Aus welchen Bestandteilen besteht das Wort? Wie ist es zusammengesetzt? Aus welchem Bereich kommen die Wortteile bed und room?
    3. Wie sprichst du das Wort genau aus? Übe die Aussprache
    4. Gibt es Erweiterungen des Worts? Wie zum Beispiel bedroom curtain? Wie würde man die Aussprache auf deutsch schreiben?

    Ich bin eigentlich grundsätzlich gegen stures Pauken und dazu gehört auch traditionelles Vokabelllernen. Sich kreativ mit Vokabeln zu beschäftigen und vor allem Kontext und tieferen Sinn zu verstehen, ist wesentlich erfolgreicher und macht auch mehr Spaß.

    Für die Worte bei denen dir das nicht wie oben beschrieben gelingen sollte, empfehle ich dir den SpeedLearningService. Damit geht das auch ziemlich schnell.
    Hier ist der Link: http://www.SpeedLearningService.de

    Hoffe das konnte dir etwas helfen…

    Besten Gruß!
    Tom

  6. Anonymous  on Juni 7th, 2010

    Hallo, ich habe ihren Blogartikel gründlich gelesen.Mir stellen sich nur einige Fragen. Also in der ersten Phase soll ich denn für nutzen daraus haben könnte(?) , in der zweiten Phase soll ich mir verdeutlichen wozu mir das zu lernende einmal helfen kann(?) und in den anderen beiden Phasen soll ich die Informationen aufnehmen und Ptaktisch festigen oder ?
    Könnten sie da bitte einmal ein Beispiel ansetzen?
    Ich habe es nämlich immer schwer zum Beispiel Vokabeln zu lernen.


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